Mobilitätswende prägt Ausbildung im Kfz-Handwerk

Betriebe im Kfz-Handwerk sehen die duale Ausbildung weiterhin als Rückgrat der Fachkräftesicherung. Das ist das zentrale Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des Bundesinnungsverbands des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz) an der rund 1.000 Ausbildungsbetriebe teilgenommen haben.

Ausbildung bleibt stark, Inhalte müssen mitwachsen

Die meisten Betriebe halten die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker für grundsätzlich passend zu den betrieblichen und technischen Anforderungen. Zugleich sehen Werkstattbetreiber aber angesichts der hohen Innovationsdynamik im Automobilsektor einen latenten Anpassungsdruck der Lehrinhalte bei handwerklichen und mechanischen Grundlagen, bei Elektrik, Elektronik, Hochvolt- und Assistenzsystemen sowie bei IT-, Software- und Diagnosekompetenzen. „Die Ausbildung im Kfz-Handwerk ist attraktiv. Sie muss aber kontinuierlich an neue technische Entwicklungen angepasst werden, damit sie leistungsfähig bleibt“, betont Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün.

Bewerberlage ist weiter angespannt

Viele Betriebe berichten von zu wenigen oder unzureichend qualifizierten Bewerbern. Die fachliche und persönliche Eignung junger Menschen wird zunehmend kritisch gesehen. Praktika gelten als wichtigstes Instrument, um geeignete Nachwuchskräfte frühzeitig zu gewinnen und für den Beruf zu begeistern.

Soft Skills gewinnen an Bedeutung

Ausbildungsabbrüche sind auch im Kfz-Handwerk keine Ausnahme mehr: Fehlzeiten, Unzuverlässigkeit und Konflikte im Team zählen zu den häufigsten Ursachen, wenn es zu Kündigungen des Ausbildungsverhältnisses kommt. Zunehmend gewinnen neben Fachwissen Haltung, Verlässlichkeit und soziale Kompetenzen an Gewicht für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss.

Zukunftskompetenzen stehen im Mittelpunkt

Die Mobilitätswende prägt zunehmend die Ausbildung im Kfz-Handwerks. Begeisterung für Hochvolttechnik, Softwarethemen und Digitalisierungsfragen, alternative Antriebe sowie Kundenkommunikation nennen die Betriebe, wenn es darum geht, was künftige Bewerber für den Beruf des Mechatronikers auszeichnen sollte. „Unser Beruf ist ideal für die, die neugierig auf technologischen Wandel sind und ihn begleiten wollen. Es gibt nur wenige Berufsbilder, die Tradition und Modernität so enge verbinden wie das Kfz-Handwerk“, weiß der Bundesinnungsmeister und fügt an. „Morgens braucht das Liebhaber Golf-Cabriolet einen Ölwechsel und am Mittag kommt ein BEV zur Wartung. Das ist Abwechslung pur und Herausforderung zugleich.“

Verbände sollen Unterstützung ausbauen

Mit den Anforderungen an das Berufsbild steigt auch die Erwartungshaltung an die Verbände. Von diesen erwarten die Betriebe mehr Schulungsangebote für Ausbildende, moderne Lehrmaterialien, Austauschplattformen und gezieltes Nachwuchsmarketing – insbesondere über digitale Kanäle. „Erfolg im Kfz-Handwerk ist das Mannschaftspiel von Auszubildenden, Mitarbeitenden, Betrieben, Innungen und Verbänden. Da haben wir alle unsere Hausaufgaben. Dass wir sie bei allen Herausforderungen nach wie vor gut meistern, zeigt die Zahl von 73.500 Auszubildenden in unserem Gewerk“, fasst Grün zusammen und ergänzt: „Das Kfz-Handwerk ist der stärkste Ausbilder in Deutschland Das allein schon unterstreicht, dass wir in der Vergangenheit in der Branche viel richtig gemacht haben. Und das ist auch unser Anspruch an die Zukunft.“