Meine Batterie gehört mir – und mein Auto sowieso

Detlef Peter Grün, oberster Repräsentant des Kfz-Handwerks und Vorstandsvorsitzender des Bundesinnungsverbandes, kämpft gegen ein Service-Monopol der Hersteller und bezieht Stellung:

Das Auto bleibt des Deutschen liebstes Kind, auch wenn wir uns mitten in einer automobilen Revolution befinden. Der Weg hin zur E-Mobilität scheint unumkehrbar - womit sich allerdings weit mehr als nur technische Herausforderungen stellen. Es geht ums Grundsätzliche: Mit dem Stromer muss auch die Beziehung von Mensch und Auto neu austariert werden. „Wem gehört mein Auto?“ wird zur zentralen Frage unserer automobilen Zukunft - und bei der Antwort auf die Frage ist klar, auf wessen Seite das Kfz-Handwerk steht.  

Dass Autos zu Computern auf vier Rädern geworden sind, ist kein neues Phänomen. So zieht sich der Streit, wem die Daten gehören, die unsere Autos produzieren, seit langem wie ein roter Faden durch die Branche. Das Elektro-Auto potenziert diese Thematik. Es droht ein allumfassender Zugriff der Hersteller auf die Fahrzeuge aus ihrer Produktion - und die Entmündigung der Besitzer und aller freien Werkstätten.  

Schlaglichtartig erhellt dies ein Vorstoß, den die EU-Kommission kürzlich plante: Sie wollte den Einbau von Ersatzbatterien allein den von Autohersteller autorisierten Werkstätten erlauben. Nicht zuletzt durch unseren Einsatz ist es mittlerweile gelungen, die Brüsseler Behörde von der wettbewerbsbeschränkenden Autorisierungsverpflichtung abzubringen. 

Gut ist, dass ab 2027 endlich ein digitaler Batteriepass für jedes E-Auto verfügbar sein muss. Mit dem digitalen Batteriepass kommt ein unionsweites Instrument, das den Lebenszyklus einer Batterie dokumentiert und dem Autobesitzer und den Werkstätten Transparenz, Sicherheit und Verlässlichkeit garantiert. Denn damit ist der Lebenszyklus einer Batterie dokumentiert und lesbar – für alle. Für das Kfz-Handwerk ist dieser Pass eine Lösung, die dafür sorgt, dass auch freie Werkstätten künftig Batterien aus Elektrofahrzeugen zeitwertgerecht reparieren und weiterverwenden bzw. zweitverwerten können. 

Jeder, der sich zum Kauf eines Fahrzeugs entscheidet, sollte ein Kerninteresse daran haben, dass keine Wartungs- und Reparaturmonopole für die Autohersteller entstehen. Das sichert den fairen Wettbewerb und ist ein zentraler Beitrag dazu, Mobilität bezahlbar zu halten. Ganz abgesehen davon, dass mit Blick auf Antriebsbatterien „reparieren“ statt „austauschen“ allemal nachhaltiger und ressourcenschonender ist.  

Sollte jemand in diesem Zusammenhang die Qualitäts- und Kompetenzfrage stellen, so haben wir vom Handwerk dafür eine klare Antwort: Wer glaubt, dass unsere Fachkräfte im Blaumann mit Schraubenschlüsseln in ölverschmierten Händen unter dem Fahrzeug liegen und von Elektromobilität keinen Schimmer haben, der ist von vorgestern. Wir haben uns frühzeitig für den grundlegenden Wandel in der Mobilität aufgestellt. Unsere Berufsbilder haben sich grundlegend gewandelt. Der Kfz-Mechatroniker ist längst auch Systemadministrator und Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme, das Handwerk steht im Zentrum des Geschehens.  

All das zeigt: Das Batteriethema deckt eine Schlüsselfrage insbesondere in der E-Mobilität auf. Wem gehört eigentlich mein Auto? Das Kfz-Handwerk mit seinen rund 27.000 Betrieben und etwa 324.000 Beschäftigten gibt dazu eine eindeutige Antwort: Wir stehen auf Seiten der Verbraucher, damit auch morgen gilt: Mein Auto gehört mir!